21 Jun

Nachhaltigkeitsberichterstattung light

Am Donnerstag fand an der IHK-Akademie in München ein Workshop zum Thema Klimareporting statt. Dabei wurde auch Aktuelles zur europäischen Richtlinie der nicht-finanziellen Berichterstattung vorgetragen.

Die Richtlinie 2014/95/EU verpflichtet große Unternehmen ab 500 Mitarbeitern nicht-finanzielle Informationen offenlegen. Danach müssen die betroffenen Unternehmen künftig in ihren Rechenschaftsberichten ihre Strategien, Risiken und Ergebnisse in Bezug auf Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, Achtung der Menschenrechte, Bekämpfung von Korruption und Bestechung sowie Diversität in den Leitungs- und Kontrollorgane offenlegen. Dadurch erhalten Investoren und andere Interessenträger ein umfassenderes Bild der Leistung eines Unternehmens.

Wer sich für den ganzen Inhalt der Richtlinie interessiert, kann Sie hier herunterladen:

 Richtlinie 2014/95/EU

Die Richtlinie ist am 6. Dezember 2014 in Kraft getreten und muss nun bis zum 6. Dezember 2016 in nationales Recht umgesetzt werden.

Mich interessiert sehr, wie diese Umsetzung nachweislich und verlässlich umgesetzt werden soll.Meine Frage konnte mir im Workshop auch niemand beantworten. Das Ganze erinnert mich an die Energieaudits nach dem Energiedienstleistungsgesetz für Nicht-KMU, die bis Anfang Dezember (!) umgesetzt werden müssen. Selbst die Androhung von Bussgeld schreckt da offensichtlich keinen.

Ich denke auch nicht, dass Strafen und Bußgelder irgend was ändern würden. Was sich ändern muss, ist die Einstellung der Verantwortlichen in allen Unternehmen und Organisationen zur Betriebsführung. Erst wenn sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass es einen Wechsel von der klassischen, rein betriebswirtschaftlichen Unternehmensführung zu einem nachhaltigen Wirtschaften bedarf, um das Unternehmen gesund zu halten, erst dann werden die entsprechenden Maßnahmen umgesetzt werden. Und dann freiwillig, ohne Zwang!

14 Jun

Nachhaltigkeit – ein verbrauchter Begriff

Dieser Tage denke ich oft über den Begriff Nachhaltigkeit nach.

Nachhaltigkeit ist inzwischen ein misshandelter und verbrauchter Begriff geworden, der für alles und nichts steht. Unsere nachhaltige Politik am Hindukusch, das nachhaltige Streben nach Frieden in Nahost, nachhaltige Ernährung, die große Nachhaltigkeit im kulturellen Gedächtnis, die nachhaltige Entwicklung im ländlichen Raum und und und. Wenn man so will, dann ist auch ein Kampfpanzer deutscher Fertigung nachhaltig. Unsinn?

Gehen wir das doch spaßeshalber mal durch:

Ein Kampfpanzer oder eine Panzerhaubitze funktioniert Jahrzehnte mit größter Präzision und vernichtet in dieser Zeit alle Ziele (und damit natürlich auch Menschen) die sie bekämpfen soll mit hoher Effizienz. Die ökonomische Dimension der Nachhaltigkeit ist damit schon erfüllt. Zudem gehören diese Gerätschaften zum High-End-Portfolio der Rüstungsindustrie, sie werden auch bei uns in Deutschland produziert, sie erhalten und schaffen Tausende von bestbezahlten Arbeitsplätzen. Daher könnte man hier von sozialer Nachhaltigkeit sprechen. Worüber reden wir also eigentlich? Und ökologisch gesehen? Bestens! Im Vergleich mit amerikanischen und russischen Panzern haben Panzer „Made in Germany“ bestimmt den geringsten Treibstoffverbrauch und die kleinsten CO2-Emissionen bei Herstellung und Betrieb, z.B. ein Kampfpanzer Leopard 2 mit 1.500g CO2/Kilometer in der gleichen Effizienzklasse wie ein VW Golf (siehe https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/leopard-2-so-sauber-wie-ein-golf/4360926.html). Ob die Angabe wirklich stimmt, ist für das Beispiel nicht so wichtig. Wichtig ist, dass so ähnlich argumentiert wird.

Also, ein wahrlich nachhaltiges Produkt. Oder? Es bringt nachhaltig Menschen um, darum ist der Kampfpanzer nachhaltig. Richtig?

Natürlich nicht, aber mit diesem etwas zugespitzten Beispiel möchte ich zeigen, welche Kapriolen, Verdrehungen und Perversionen der Begriff Nachhaltigkeit schon erfahren hat.
Damit wünsche ich einen schönen Sonntag.