16 Jul

Lokale Energiewende

Gestern war ich auf einer Veranstaltung in meiner Nähe zum Thema “Lokale Energiewende im Landkreis Ebersberg”. Es war so eine typische Nebenzimmerveranstaltung, wie ich sie schon oft erlebt habe. Ein kleines Häufchen von etwa 20 engagierten Leuten versammelte sich bei bestem Biergartenwetter. Ich glaube jedoch auch bei strömendem Regen wären nur maximal 10 Leute mehr gekommen.

Ja, das ist so. Bezeichnend für die Nicht-Energiewende in unserem Landkreis. Und wahrscheinlich nicht nur dort. Die Diskussion ging auch sehr schnell in diese Richtung.

Warum geht nichts voran? Warum kommen keine neuen Projekte?

Bei allen Schwierigkeiten, wie die Degressionen im EEG und der Lobbyarbeit der großen Energieversorger hatte ich den Eindruck, dass man einfach nicht in der Lage ist, vor der eigenen Haustür zu kehren.

Damit will ich sagen, dass auch an diesem Abend, bei diesem kleinen Häufchen der engagierten Verfechter der Erneuerbaren Energien, wichtige, entscheidende Faktoren nicht beachtet wurden.

Beispielsweise die Tendenz, in erster Linie die Schwierigkeiten zu thematisieren, Gründe zu finden warum es (leider) nicht geht, auf eine unbestimmte Zukunft zu setzen, in der alles besser und leichter wird. Diese resignative und auch sehr bequeme Einstellung war auch in diesem Nebenzimmer zu spüren.

Als dann noch Vertreter von Energiegenossenschaften von nicht zu steigernden Renditen von 1,2 bis 1,3% sprachen und die “schwarze Null” als erstrebenswertes wirtschaftliches Ziel anpriesen, da war mir dann ein wesentlicher Grund klar, warum der Landkreis in Punkto Energiewände nicht auf die Füsse kommt.

Ein Unternehmen (und eine Genossenschaft ist ein Unternehmen) MUSS eine vernünftige Rendite aufweisen können um nachhaltig und erfolgreich im Markt agieren zu können. Immer wieder stoße ich auf dieses Phänomen, dass sehr viele Menschen die ökonomische Dimension der Nachhaltigkeit völlig falsch gewichten.

NUR wenn ein Unternehmen gesund ist, Gewinne und Renditen erwirtschaften kann, nur dann sind die Mittel langfristig vorhanden, die ökologische und die soziale Dimension entsprechend zu bedienen.

Was kann den beispielsweise eine Energiegenossenschaft schon erreichen, die mit dem Eigenkapital ihrer Mitglieder einige Dächer mit Photovoltaikanlagen ausgestattet hat und dann bei einer Rendite von 1,2% die nächsten 20 Jahre fristet? Hat sie noch genügend unternehmerischen Gestaltungsspielraum?

Lokale Energiewenden im ländlichen Raum werden meiner Meinung nach entscheiden, ob die nationale Energiewende gelingt oder nicht, denn hier sind die meisten Ressourcen. Gelingen kann dies jedoch nur, wenn marktwirtschaftliche und professionell geführte Bürgergesellschaften gegründet werden, die nicht nur von idealistischen Visionen beherrscht werden, sondern ihren Mitgliedern auch eine vernünftige Rendite für ihre Anteile bieten.

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